Anlässlich einer Ausstellung in Paris hat J. Willms in der SZ („Im Fotostudio der Kolonialisten“, 11. November 2006, S. 16) beschrieben, wie sich der dort gezeigte Blick der Europäer auf den „Wilden“ verändert hat:
„Wichtigstes Objekt europäischer Neugierde ist der Andere, der ‚Wilde‘. Im Bild des ‚Wilden‘, das die Europäer anlockte, sie verführte, sie schließlich mit Abscheu erfüllte, ehe sie sein Anderssein anthropometrisch zu ergründen suchten, lässt sich unschwer eine Projektion der eigenen Selbstwahrnehmung erkennen: Je eingehender man den anderen zu ergründen suchte, desto mehr entfernte der sich dem eigenen Verständnis, wurde er entweder als bloße Kuriosität oder als Sklave objektiviert.“
Nachdem ab 1700 die anatomische Gleichheit entdeckt war, verwehrte es politische Opportunität, die Gleichheit auch politisch anzuerkennen: Sie passte dem im Kolonialrausch schwelgenden Europa des 19. Jahrhunderts nicht in den Kram. Stattdessen suchte man typische Rassenmerkmale zu erfassen, um so die Ausbeutung der Wilden zu rechtfertigen.
Ihre menschliche Würde sei erst durch die moderne Kunst ins Bewusstsein gerückt und anerkannt worden; Schlüsselbild sei dabei Henri Rousseaus Bild „La Charmeuse de serpents“ gewesen (1907, siehe http://www.artyst.net/R/Rousseau20/RousseauCharmeuse.jpg).

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